Stanze berlinesi

„Je länger ich schrieb, desto deutlicher wurde mir, dass man mithilfe von ein paar Sätzen imstande war, eine Wirklichkeit zu konstruieren, und dass man diese zwei Sekunden später wieder zerstören konnte, als wäre nichts geschehen. Als wäre nichts passiert. Oder doch nicht? Blieb doch etwas zurück? War es nicht so, dass mit jedem Satz, den […]

Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen

„Wunderkind, Skandalautorin, Vaterlandsverräterin, Feministin, Modeliebhaberin, Kommunistin, Sprachterroristin, Rebellin, Enfant terrible, Nestbeschmutzerin, geniale, verletzliche Künstlerin“. Claudia Müllers Film über Elfriede Jelinek, die 2004 als erste österreichische Schriftstellerin mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, stellt ihren künstlerischen Umgang mit Sprache in den Mittelpunkt. Vielschichtig und assoziativ nähert er sich der Kunst seiner Protagonistin mit ihren eigenen […]

Andrej Kurkow – Tagebuch einer Invasion

Im März 2022 hätte Andrej Kurkow von Kyjiw nach Sjewjerodonezk in die Oblast Luhansk fahren wollen, um den Filmarbeiten zu seinem Roman Graue Bienen (Diogenes Verlag 2018) beizuwohnen. Der viel beachtete Roman handelt von einem Imker, der sich und seine Bienen aus dem seit 2014 tobenden Krieg zwischen der ukrainischen Armee und prorussischen Separatisten heraushalten […]

che leggendo si apra DIE BLAUE TÜR DER VERSE

Gerhard Kofler war ein Schriftsteller aus Südtirol, aufgewachsen in Brixen. Mit seiner zeitlebens erkundeten mehrsprachigen Poetik über Grenzen hinweg stellt er für ZeLT eine Schlüsselfigur dar. Es ist daher kein Zufall, dass ZeLT, dessen Fokus sich auf den Austausch der Literaturen und Sprachen richtet, diesem Autor und seiner mehrsprachigen Schreibpraxis seine erste Sonderausstellung widmet und […]

Oksana Sabuschko – Die längste Buchtour

Oksana Sabuschko ist am 23. Februar 2022 scheinbar nur auf dem Sprung, um eine zweitägige Buchpräsentation in Polen zu absolvieren. Einen Tag später beginnt Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Autorin kann nicht in ihr Land zurückkehren. Von da an gibt sie Interviews für Medien aus aller Welt, spricht vor dem Europäischen Parlament in Straßburg […]

Waltraud Mittich – Ein Russe aus Kiew

Eine ganz persönliche und sehr berührende Genealogie – von Waltraud Mittich wunderbar eingebettet in die stahlharten politisch-historischen Zusammenhänge von Gewalt, Grenzen und Vertreibung. Auf traurige Weise so aktuell!  Hannes Obermair Waltraud Mittich erzählt in ihrem neuesten, in der Edition Laurin erschienenen Buch eine Herkunftsgeschichte, welche die Bruchstellen offenlegt, die der ­letzte große Krieg in den Biographien […]

MANARÒT. rivista letteraria

MANARÒT ist eine italienische Literaturzeitschrift, die Autor:innen aus dem geografischen Raum Trentino-Südtirol und seinen Ausläufern zusammenbringt. Prominentester Ausläufer dieser Grenzregion ist die Etsch, die als Rinnsal am Reschen entspringt und als breiter, dreiarmiger Fluss südlich von Chioggia in die Adria mündet und als solcher Symbol der kulturellen Kontamination und Brücke zwischen der germanischen und lateinischen […]

Ein Sonderling erzählt

Sie nennen ihn „Kürbiskopf“ oder „Knallkopf“, Liborio Bonfiglio ist der Außenseiter, der Geknechtete, der Ausgegrenzte, dem das Schicksal übel mitgespielt hat und der dennoch nicht aufhört, von einer besseren Zukunft zu träumen. Anhand des Monologs dieses alten Kauzes, der sich wie eine mündliche Rede liest, sich also wenig um Standard und Stringenz, Rechtschreibung und Interpunktion […]

Literatur in Geheimschrift?

Dass Übersetzungen für die Literatur „kleiner“ Sprachen besonders wichtig sind, liegt auf der Hand. Wer etwa in einem der bündnerromanischen oder dolomitenladinischen Idiome schreibt, ist mehr als andere Schriftsteller auf Übersetzungen in größere Sprachen angewiesen, wenn er oder sie den eigenen, kleinen Kulturkreis überwinden möchte. Je kleiner die Sprachgemeinschaft, je „geheimer“ die Sprache, desto kleiner […]

Vom Fremdsein in der eigenen Sprache

Im Roman Lingua madre der Boznerin Maddalena Fingerle leidet Paolo Prescher, ein junger Mann aus Bozen, an der Sprache. Er ist besessen von Wörtern. Wörter haben für ihn Geruch, Farbe oder Klang. In dieser Qualität findet Paolo die meisten Wörter aber nur in seinem Kopf, in einzelnen Gedichtzeilen und auf den kleinen Etiketten, die sein […]