




{"id":10281,"date":"2025-10-13T20:54:24","date_gmt":"2025-10-13T18:54:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zelt-lab.eu\/?p=10281"},"modified":"2025-10-13T21:00:22","modified_gmt":"2025-10-13T19:00:22","slug":"zeltlectio_eroeffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zelt-lab.eu\/de\/theorie-der-literarischen-uebersetzung\/zeltlectio_eroeffnung\/","title":{"rendered":"ZeLTlectio_Er\u00f6ffnung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Am 26. September um 19.30 ist ZeLTlectio. School of Literary Translation in der Cusanus Akademie <em>offiziell <\/em>er\u00f6ffnet worden.<\/em> <br><br>Nach der Begr\u00fc\u00dfung der Direktorin der Cusanus Akademie Claudia Santer und von Andr\u00e9 Comploi, Direktor der Abteilung Ladinische Kultur und Bildung informierten Alma Vallazza und Donatella Trevisan vom Team ZeLT \u00fcber das Zustandekommen des Formats und seine Ausrichtung und stellten die Referentinnen und die G\u00e4ste des Abends vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anschlie\u00dfend waren die Kursleiterinnen Theresia Prammer, Rut Bernardi und Ingrid Runggaldier eingeladen, in einem kurzen Statement ihren Zugang zum \u00dcbersetzen von Literatur bzw. zur Frage, warum sie \u00dcbersetzerinnen geworden sind, zu erl\u00e4utern. Abschlie\u00dfend skizzierte die Graub\u00fcndner Literaturwissenschaftlerin Annetta Ganzoni eine literaturhistorische Chronologie des literarischen \u00dcbersetzen aus und ins Romanische.<br> <br>Die Beitr\u00e4ge werden im Folgenden in schriftlicher Form wiedergegeben:<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Theresia Prammer<br>\u201ePer carit\u00e0 \/esci dalla virtualit\u00e0\u201c. Eine Einr\u00e4umung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie kennen vielleicht den Satz von Ernst Jandl, der dieses Jahr einen runden Geburtstag feiert: Etwas machen, das man herzeigen kann. Nun, als \u00dcbersetzer:innen m\u00fcssen wir ihn oft gegen sich selbst wenden.&nbsp;<em>Etwas machen, das man hergeben muss<\/em>. Und ich meine damit nicht nur Fragen der Urheberschaft, die keine \u00dcbersetzende ungeteilt f\u00fcr sich reklamieren kann. Nein, in einer Zeit,&nbsp;wo die sogenannten gro\u00dfen Large Language Models sich mit der Gefr\u00e4\u00dfigkeit von Tyrannosauren, oder zumindest Tyrannen, unserer jahrtausendealten Kulturtechnik bem\u00e4chtigt haben;&nbsp;steht das Literatur\u00fcbersetzen noch einmal und vielleicht endg\u00fcltig auf&nbsp;dem Spiel. Hand aufs Herz, es ist ebenso faszinierend wie bedenklich, was gerade geschieht: Die \u201eSteinbrucharbeit\u201c des \u00dcbersetzens, die Elke Erb in einem Gedicht beschrieben hat, kann heute selbst-redend und im Handumdrehen (oder noch weniger: mit einer dieser charakteristischen Wisch-Bewegungen) an die Maschinen delegiert werden, ohne dass die immensen Reservoirs von Sprach-Ged\u00e4chtnis, von kulturellen und individuellen Erfahrungsr\u00e4umen mitbewegt werden, die das Schreiben doch ausmachen und es mit einer Semantik anreichern, die weit \u00fcber die Worte hinausreicht. Von der Geschwindigkeit, mit der diese Prozesse und dieses Prozessieren geschehen, will ich gar nicht reden: Als \u00dcbersetzende f\u00fchlen uns ein bisschen wie jemand, der sein ganzes Leben damit zugebracht hat, ein Meisterwerk zu kopieren, ein Puzzle mit 100 000 Steinen zu vollenden, einen Palast zu rekonstruieren oder auch nur ein verwinkeltes Haus zu restaurieren, um es dann aus dem 3 D-Drucker oder als Fertig-Fabrikat geliefert zu bekommen. Dar\u00fcber k\u00f6nnte man schon ein bisschen melancholisch werden, aber vielleicht waren wir das \u2013&nbsp;<em>La malinconia del traduttore<\/em>&nbsp;hei\u00dft ein Buch von Franco Nasi \u2013 ja immer schon. Zugleich frage ich mich, ob das, und das ist jetzt kein rhetorischer Move, was wir gerade erleben, nicht sogar die Sternstunde des \u00dcbersetzens sein k\u00f6nnte, indem es uns dazu zwingt, zwischen \u201eSprache\u201c und \u201eSprache\u201c, oder, mit Ilse Aichinger, zwischen Sprache und Nicht-Sprache zu unterscheiden: also als Aneinanderreihung von Worten, die der Wahrscheinlichkeits-rechnung unterliegt einerseits, und, nur \u00e4u\u00dferlich vergleichbar, als Aneinanderreihung von Worten, in Tiefenschichten verbunden mit einem menschlichen Geist oder Gem\u00fct andererseits, wahrhaftig gar, angereichert mit dem ganz besonderen Surplus. Denn nur die Sprache, die auf diese bezeichnende Weise zu sich kommt, verdient auch den Namen Literatur. Ich meine: \u00dcbersetzerinnen, und alle Schreibenden, sind nat\u00fcrlich die schlechteren Rechner, informatisch und algorythmisch gesehen, daf\u00fcr haben sie die innere Verbindung zu ihrer Sprache noch nicht eingeb\u00fc\u00dft. Sie ist es, die wir immer wieder aufsp\u00fcren oder der wir nachsp\u00fcren, wenn wir versuchen, S\u00e4tze zu formulieren, wirksam genug, um sie f\u00fcr Sprache zu halten. Und die wiederum uns halten, wenn sie wirklich Sprache sind. Denn Sprechen, ich glaube das ist f\u00fcr niemanden von uns ein Geheimnis, beruht auf Gegenseitigkeit. Und literarisches Sprechen, auch literarisch \u00fcbersetzendes Sprechen, befreit Gegenseitigkeit in der Ungleichzeitigkeit und \u00f6ffnet zugleich einen ganz anderen Raum. Wenn wir uns also hier im Lauf der n\u00e4chsten zwei Jahre treffen werden, so tun wir das also auch, um diesem verbindenden Sprechen, diesem verbindlichen Sprechen einen Platz zu geben, mit allem, was das an Verantwortung mit sich bringt. Denn \u00dcbersetzen ist aufschlie\u00dfendes, zur Neuschrift geformtes Lesen; \u00dcbersetzen ist Autorschaft am anderen und es ist Mitautorschaft&nbsp;am Text der Literatur, der auch eine Art Schutzschicht f\u00fcr den Planeten darstellen k\u00f6nnte,Einspruch gegen die zerst\u00f6rerischen Ego-Trips, die danach trachten, ihn blo\u00df zu besetzen und eigen-m\u00e4chtig unter sich aufzuteilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was wir vorhaben: wir nehmen uns den letzten Gedichtband vor, den Zanzotto, im Jahr 2009 (2011 ist er gestorben) verfasst hat und mit dem er noch einmal alle seine Leser:innen \u00fcberrascht hat: Weil es ein so vitales, vielstimmiges, auch vielsprachiges, verschmitztes, im Herzen unserer Gegenwart stehendes und trotzdem durch und durch mit Tradition ges\u00e4ttigtes Buch ist. Wir werden&nbsp;<em>Conglomerati<\/em>, Andrea Zanzottos dichterisches Testament, miteinander, nebeneinander, f\u00fcreinander \u00fcbersetzen \u2013 und uns dabei, angesichts des streckenweise recht geopetischen Gel\u00e4ndes, das wir mit diesem Buch betreten, vielleicht wieder an die \u201eSteinbrucharbeit\u201c erinnern, von der Elke Erb gesprochen hat. Wir werden im Laufe der kommenden Monate in unserer Mitte auch G\u00e4ste begr\u00fc\u00dfen: Noch in diesem Jahr erwarten wir die Autorinnen Olga Martynova und Ferdinand Schmatz, den Kritiker Roberto Galaverni und den Sohn des venetischen Dichters, Giovanni Zanzotto; im n\u00e4chsten Jahr dann weitere G\u00e4ste. Mit ihnen werden wir unsere Arbeit teilen (\u201eetwas machen, das man herzeigen kann\u201c), ebenso wie wir an ihrer Arbeit Anteil nehmen, und auch Sie, liebe Cusanus-Akademie, liebes Publikum, wollen wir \u00fcber unsere Fortschritte und Irrt\u00fcmer auf dem Laufenden halten. Allerdings nicht \u00fcber Nacht, Sie m\u00fcssen sich noch ein bisschen gedulden, denn es w\u00e4re geradezu fahrl\u00e4ssig, wenn wir diesen Raum, den uns die Masterclass bietet, nicht f\u00fcr eine Art Klausur fruchtbar machen w\u00fcrden, m\u00f6nchisch geradezu, f\u00fcr Exerzitien der Versenkung und des Austauschs: um den Worten und Wendungen des Dichters nachzulauschen, sie wiederzuk\u00e4uen; um den Sprachen, mit denen wir umgehen und die in uns umgehen, das Nicht-Selbstverst\u00e4ndliche zu entlocken. Bleibt nur, uns Andrea Zanzottos, in&nbsp;<em>Conglomerati&nbsp;<\/em>ge\u00e4u\u00dfertem Sto\u00dfseufzer anzuschlie\u00dfen: \u201ePer carit\u00e0 \/esci dalla virtualit\u00e0\u201c. In diesem Sinne: Lassen wir uns die Worte nicht aus dem Mund nehmen! Das scheint mir f\u00fcrs erste Programm genug.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Theresia Prammer<\/strong>, geboren 1973 in Nieder\u00f6sterreich, studierte Romanistik in Wien und Italien und lebt heute vorwiegend in Berlin. 2005 erschien der&nbsp;Band&nbsp;<em>Lesarten der Sprache<\/em>; 2009 die Studie&nbsp;<em>\u00dcbersetzen, \u00dcberschreiben, Einverleiben.&nbsp;<\/em>Die von ihr in Italien herausgegebene Anthologie&nbsp;<em>Ricostruzioni&nbsp;<\/em>(Mailand, 2011)&nbsp;stellt Stimmen deutschsprachiger Gegenwartslyrik in monographischen Kapiteln vor. Kuratorin von Festivals und Autorenbegegnungen; Juryt\u00e4tigkeiten, Essays. Als Dozentin ist sie seit 2018 dem Institut f\u00fcr Sprachkunst Wien verbunden.&nbsp;2020 gr\u00fcndete sie das Dante-Zentrum f\u00fcr Poesie und Poetik.&nbsp;Letzte Buchver\u00f6ffentlichung:&nbsp;<em>Lectura Dantis. Zeitgen\u00f6ssische Dichtung im Dialog mit Dantes&nbsp;<\/em>Commedia&nbsp;(2025).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Rut Bernardi<\/strong><br><strong>L\u2019ert dla traduzion leterera&nbsp;<\/strong>(LAD&gt;&lt;TUD&gt;&lt;TAL)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bona s\u00ebira a duta cantes y a duc canc.&nbsp;<br>L me fej dantaldut plaj\u00ebi pud\u00ebi salud\u00e9 tlo cun n\u00ebus nsnuet l diret\u00ebur dla repartizion dla cultura ladina Andr\u00e9 Comploi.<br>Salude nce de cuer duta la partezipantes dl curs de traduzion leterera.<br>Buona sera e un cordiale benvenuto.<br>Guten Abend und herzlich willkommen zur Er\u00f6ffnung des Kurses der literarischen \u00dcbersetzung.<br><br>Bereits w\u00e4hrend meines Studiums der Romanistik in Innsbruck hatten wir im Curriculum die Praktikas <em>\u00dcbersetzung<\/em>, und zwar ins und aus dem Italienischen und ins und aus dem Franz\u00f6sischen. Doch der Gedanke, dass mein sp\u00e4teres Autorinnen-Leben vom \u00dcbersetzen so abh\u00e4ngig werden w\u00fcrde, w\u00e4re mir damals nie eingefallen.<br>Bereits meine ersten literarischen Gehversuche, musste ich, ja musste ich \u00fcbersetzen, denn Lesungen in Ladinien gab es nicht, und gibt es bis heute nur sehr selten, und au\u00dferhalb versteht man uns nicht.<br>Denn wenn man stur ist und Literatur in der Muttersprache, also auf Ladinisch schreibt, und au\u00dferhalb Ladiniens, z.B. auch nur in S\u00fcdtirol, wahrgenommen werden will, gibt es bis heute nur die Option, wie sie der&nbsp;niederl\u00e4ndische Autor&nbsp;Cees Nooteboom 1993 im Artikel&nbsp;<em>Literatur steht und f\u00e4llt mit dem \u00dcbersetzer<\/em>&nbsp;in&nbsp;<em>Die Weltwoche<\/em>&nbsp;beschreibt: \u00abDie Literatur eines kleineren Sprachgebiets kann und wird f\u00fcr die Welt ausserhalb dieses Sprachgebiets so lange nicht existieren, wie sie nicht \u00fcbersetzt ist. [&#8230;] Ohne \u00dcbersetzung nur B\u00fccher in Geheimschrift.\u00bb<br>Auch Walter Belardi war davon \u00fcberzeugt, dass:&nbsp;\u00abLa quantit\u00e0 delle traduzioni \u00e8 [\u2026] \u2013 si dice \u2013 un parametro buono per giudicare il livello di una cultura locale che si esprima nella lingua locale, e per valutare la sua capacit\u00e0 di allinearsi con le altre grandi\u00bb.&nbsp;(In:&nbsp;Belardi, Walter (1994):&nbsp;<em>Profilo storico-politico della lingua e della letteratura ladina<\/em>. Roma: Il Calamo [Biblioteca di Ricerche Linguistiche e Filologiche, 35, S. 183])<br>Die&nbsp;<em>Geschichte der ladinischen Literatur<\/em>, die ich an der Freien Universit\u00e4t hier in Brixen erarbeitete, wurde 2013 auf Deutsch ver\u00f6ffentlicht, mit der Intention unsere Literatur auch au\u00dferhalb Ladiniens bekannt zu machen. Und da hatte ich pl\u00f6tzlich hunderte Beispielgedichte von unseren 311 Autorinnen bzw. Schreiberinnen durch 200 Jahre zu \u00fcbersetzen.<br>Dabei erkannte ich klar:&nbsp;der Gro\u00dfteil der \u00dcbersetzungen, die von den meisten ladinischen Autor:innen selbst ins Deutsche, Italienische, oder heute auch ins Englische gemacht wurden und werden, reichen in den Zielsprachen selten an das ladinische Original heran.<br>Die&nbsp;Diskrepanz der literarischen Qualit\u00e4t zwischen dem Originaltext in der Muttersprache auf Ladinisch und dem \u00fcbersetzten Text war und ist bis heute erheblich, wodurch au\u00dferhalb Ladiniens der Eindruck entsteht, die ladinische Literatur k\u00f6nne mit den Nachbarliteraturen nicht mithalten.<br>Diesen meinen Eindruck best\u00e4tigt auch Jon Semadeni (1910 Vn\u00e0 \u2013 1981 Samedan) im Tages Anzeiger vom 9. 8. 1974: \u201eEs ist kein Problem, vom Deutschen ins Romanische zu \u00fcbersetzen. Das Umgekehrte jedoch ist schwierig, denn das Romanische ist eine frische, neue Sprache. Sie ist nicht abgen\u00fctzt. Alles wirkt lebendig und konkret. Es besteht die Gefahr, dass Ausdr\u00fccke durch die \u00dcbersetzung farblos und sentimental werden, w\u00e4hrend sie im Romanischen kraftvoll und pr\u00e4zise sind.\u201c<br>Auch Pier Paolo Pasolini (1922 Bologna \u2013 1975 Ostia) schrieb bereist \u00fcber den&nbsp;Grad \u00e4u\u00dferster sprachlicher Abn\u00fctzung in der franz\u00f6sischen und italienischen Literatur:&nbsp;\u201eSchlie\u00dflich findet man die Tradition, die wir naturgem\u00e4\u00df fortsetzen werden m\u00fcssen, in der heutigen franz\u00f6sischen und italienischen Literatur, welche einen Grad \u00e4u\u00dferster Abn\u00fctzung jener Sprachen erreicht zu haben scheint; w\u00e4hrend unsere [friaulische] noch auf ihre l\u00e4ndliche und christliche Reinheit z\u00e4hlen kann\u201c.&nbsp;(In: Faggin, Giorgio; Zielonka, Michael (1975):&nbsp;<em>Friaulische Lyrik im zwanzigsten Jahrhundert.&nbsp;Eine Anthologie<\/em>. San Daniele: Grillo, S.&nbsp;16.)<br>Deshalb die dringende Notwendigkeit professioneller&nbsp;literarischer \u00dcbersetzungen aus dem Ladinischen&nbsp;in eine der sogenannten&nbsp;<em>gro\u00dfen<\/em>&nbsp;Sprachen, um zumindest einige der mittlerweile literarisch durchaus annehmbaren Werke auch au\u00dferhalb Ladiniens bekannt zu machen.<br>Denn ausbleibende \u00dcbersetzungen ladinischer Literatur implizieren die Gefahr einer endg\u00fcltigen Abwanderung junger Autorinnen und Autoren in andere Sprachen, wo ihnen die M\u00f6glichkeit zu einer auflagenst\u00e4rkeren Publikation geboten wird, sowie Lesem\u00f6glichkeiten.<br><br>Somit w\u00fcnsche ich diesem Kurs der literarischen \u00dcbersetzung, der Dank des&nbsp;<em>Z\u00ebnter europeich per leteratura y traduzion<\/em>&nbsp;erfolgt, alles, alles Gute und bedanke mich ganz herzlich bei den Promotorinnen Alma Vallazza, Maria Cristina Hilber und Greta Pichler, die die Idee hatten und den Kurs initiierten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Rut Bernardi<\/strong>, geboren 1962, aus St. Ulrich\/Gr\u00f6den, lebt in Klausen, Romanistikstudium an der Universit\u00e4t Innsbruck, anschlie\u00dfend Lehrbeauftragte f\u00fcr R\u00e4toromanisch an den Universit\u00e4ten Z\u00fcrich, Innsbruck, M\u00fcnchen, Mann- heim und Bozen. Sie ist Autorin, \u00dcbersetzerin und Publizistin, u.a. Redakteurin f\u00fcr Radio und Fernsehen (z.B. Regie und Moderation der monatlichen Radiosendung&nbsp;<em>L cuartet leterer&nbsp;<\/em>im Rai Ladinia in Bozen). Sie schreibt und ver\u00f6ffentlicht ihre Literatur auf Ladinisch und Deutsch. Verschiedene Preise f\u00fcr literarische und kulturelle Verdienste. Derzeit lehrt sie an der Freien Universit\u00e4t Bozen, wo sie 2013 die&nbsp;<em>Geschichte der ladinischen Literatur&nbsp;<\/em>heraus- gegeben hat. Seit Juni 2021 ist sie Vorsitzende der SAAV, S\u00fcdtiroler Autorinnen- und Autorenvereinigung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ingrid Runggaldier<\/strong><br><strong><br><\/strong>Guten Abend liebe Anwesende,<br><br>Alma Vallazza hat uns gebeten, statt uns heute Abend selbst und unseren Lehrgang vorzustellen, ein wenig davon zu erz\u00e4hlen, warum und wie wir \u00dcbersetzerinnen geworden sind. Nun gut, ich musste zuerst ein wenig nachdenken, doch schnell ist mir bewusst geworden, dass ich eigentlich immer schon \u00fcbersetzt habe, schon als kleines Kind, wie \u00fcbrigens wohl die meisten, die so aufgewachsen sind wie ich: in einer ladinischen Familie, in der und um die neben dem Ladinischen noch Deutsch und Italienisch massiv pr\u00e4sent und lebendig waren und zwar in den Personen verschiedener Verwandter, Freunde und Bekannter.&nbsp;<br>Bereits mit drei Jahren kam ich in den damals noch rein italienischen Kindergarten. Aus Audioaufnahmen jener Zeit h\u00f6rt man wie ich auf Italienisch singe und Reime und Gedichte aufsage, mit entsprechendem Akzent nat\u00fcrlich (den habe ich noch immer), aber offensichtlich ohne Schwierigkeiten. Die Sprache musste ich nat\u00fcrlich nach und nach erlernen, aber ich hatte sie wohl schon im Ohr, und ich kann mich nicht erinnern, dass ich unsere Kinderg\u00e4rtnerinnen nicht verstanden h\u00e4tte oder dass ich darunter gelitten h\u00e4tte, nicht verstanden zu werden. Das erste Schuljahr war ebenfalls ganz auf Italienisch und so erfolgte auch meine Alphabetisierung: aiuola, bimbo, casa, dado, edera und incudine waren unter den ersten Worten, die ich zu schreiben lernte.<br>Weiter ging\u2019s dann mit der deutschen Sprache. Irgendwie lernte ich auch diese zu schreiben, w\u00e4hrend das Ladinische leider immer mehr unter die R\u00e4der kam: nur wenige Stunden die Woche, vielleicht eine oder zwei, in der gesungen und erz\u00e4hlt, jedoch kaum geschrieben wurde. Bis zum Ende der Mittelschule. Und in der Oberschule, die ich in Bozen besuchte, wurde das Ladinische g\u00e4nzlich mit den Fremdsprachen Englisch und Franz\u00f6sisch ausgetauscht. Die Schule war ein Fenster zur Welt, aber irgendwie hatte ich das Gef\u00fchl, dass sich mir gleichzeitig ein wenig jenes zu meiner ersten Sprache, meiner Elternsprache, verschloss.&nbsp;<br>\u00dcbersetzt habe ich in den ganzen Jahren immer, f\u00fcr mich selbst, um Dinge zu verstehen, um sie mir inhaltlich anzueignen, bei Gespr\u00e4chen, um sie anderen und mir selbst zu vermitteln und auf verst\u00e4ndlichere Ebenen zu bringen. Ich will nicht sagen, dass ich die jeweiligen Sprachen damals perfekt beherrschte, ich vermischte sie auch und war abwechselnd in der einen oder anderen besser oder schlechter. Aber ich konnte mich gut damit verst\u00e4ndigen. Und durch sie entdeckte ich Welten, immer jedoch mit dem Gef\u00fchl, nie ganz dazuzugeh\u00f6ren, weder zum Neuen, dass ich kennenlernte, noch zum Alten, von dem ich herkam.&nbsp;<br>Als ich 15 war, hatte ich ein traumatisches Erlebnis. Ein junger Mann aus England, war vom D\u00ebnt\/Zahnkofel in der Langkofelgruppe wegen eines Blitzschlags abgest\u00fcrzt und verstorben. Ian, so hie\u00df er, war der einzige Sohn von Eve und John Roberts. Damals war bei uns zu Hause die Bergrettungszentrale und, da von den Bergrettern niemand wirklich Englisch sprechen konnte, stellte man flugs mich an, zwischen den Bergrettern, dem Pfarrer und den Eltern des Toten, die nach St. Christina gekommen waren, zu dolmetschen. Sie wollten Details des Unfalls wissen und mussten entscheiden, ob ihr Sohn in Gr\u00f6den beerdigt werden sollte oder ob sie die Heimreise des Leichnams organisieren sollten. Ich stand mittendrin und musste, nachdem ich gerade erst das erste Oberschuljahr mit Englischunterricht hinter mir hatte, dolmetschen. Ich war komplett \u00fcberfordert und weinte mit den Eltern, nicht nur wegen der Schwierigkeit des \u00dcbersetzens, sondern einfach, weil die Situation so emotional und traurig war. Das Sch\u00f6ne an der Geschichte war, dass aus diesem Ungl\u00fcck eine langj\u00e4hrige Freundschaft zwischen unserer Familie und jener des englischen Bergsteigers entstand.&nbsp;<br>R\u00fcckblickend ist es angesichts einer solchen Ausgangslage schon verwunderlich, dass ich \u00dcbersetzerin geworden bin. Zuallererst hatte ich jedenfalls verstanden, dass ich unbedingt besser Englisch lernen musste und zwar schnell. Neben Germanistik studierte ich also Anglistik und Amerikanistik und verbrachte immer wieder Zeit bei meinen \u201eAdoptiveltern\u201c in England. Ich wusste, dass ich mit Sprache arbeiten, dass ich mich mit Literatur besch\u00e4ftigen wollte. Ans \u00dcbersetzen dachte ich damals eher nicht, ich war der Meinung, dass Sprachen zwar wichtig w\u00e4ren, aber nur, wenn man&nbsp;sonst auch etwas wusste und konnte.&nbsp;<br>Wo aber war derweil das Ladinische geblieben? W\u00e4hrend ich mich vorwiegend mit meinen Zweit-, Dritt- und Viertsprachen und deren Literaturen befasste, war meine erste Sprache, au\u00dfer im t\u00e4glichen Umgang mit meiner Familie und Freunden, in den Hintergrund geraten. Deshalb begann ich mich sozusagen als Autodidaktin \u2013 andere M\u00f6glichkeiten gab es nicht \u2013 vermehrt auch mit dem Ladinischen zu besch\u00e4ftigen. Ich versuchte, mich an der Grammatik abzuarbeiten, meinen Wortschatz \u00fcber den allt\u00e4glichen Gebrauch hinaus auszuweiten und mit der Rechtschreibung, die immer wieder mal Reformen unterworfen wurde, zurechtzukommen. Eine unentbehrliche Hilfe waren mir dabei die Grammatik von Amalia Obletter da Cudan und die Freundschaft mit Frida Piazza, die mich immer von neuem anspornte, meine ladinischen Sprachkenntnisse zu vertiefen und mich korrigierte. Lange Auseinandersetzungen mit ihr \u00fcber \u201efalsche W\u00f6rter, falsche Grammatik und falsche Rechtschreibungen\u201c sind mir bis heue lebhaft in Erinnerung.&nbsp;<br>Nachdem ich 1996 einen Lehrgang f\u00fcr literarische \u00dcbersetzung vom Englischen ins Deutsche besuchte, f\u00fcgte es sich, dass die S\u00fcdtiroler Landesverwaltung einen Wettbewerb f\u00fcr eine \u00dcbersetzerstelle f\u00fcrs Ladinische ausschrieb. Ich nahm daran teil und erhielt die Stelle. Seitdem bin ich \u00dcbersetzerin im Amt f\u00fcr Sprachangelegenheiten. So kam offenbar alles, wie es kommen musste. Ich kam nicht als \u00dcbersetzerin zur Welt. Ich lernte das \u00dcbersetzen bei meiner Arbeit und durch meine Arbeit. Vor allem das literarische \u00dcbersetzen, das noch einmal eine spezielle Sparte des \u00dcbersetzens ist, und, obwohl es nie zur Routine wird, einiger Erfahrung und Passion erfordert \u2013 Passion f\u00fcr Sprachen und die Sprache an sich, Passion f\u00fcr die Literatur, aber vor allem Freude am Lesen und Klauben von Worten.&nbsp;<br><br>F\u00fcr mich ist es ein Privileg als \u00dcbersetzerin mit meiner ladinischen Muttersprache arbeiten zu k\u00f6nnen.&nbsp;Danke f\u00fcr die Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ingrid Runggaldier<\/strong>, \u00dcbersetzerin und freie Publizistin. Studium der Germanistik und Anglistik-Amerikanistik in Innsbruck. Seit 1997 als \u00dcbersetzerin (Ladinisch) f\u00fcr die S\u00fcdtiroler Landesverwaltung t\u00e4tig. In ihren Publikationen besch\u00e4ftigt sie sich mit Sprachen und Literaturen im Vergleich, Frauen- und Genderstudien, Minderheiten aller Art sowie Alpinismus- und Tourismus- geschichte. In Buchform sind u.a. erschienen:&nbsp;<em>Frauen im Aufstieg&nbsp;<\/em>(2012) und&nbsp;<em>Gezahnt wie der Kiefer eines Alligators. Was Reisende \u00fcber die Dolomiten schrieben&nbsp;<\/em>(2023), unter ihren Filmdokumentationen das Portrait der Gr\u00f6dner Sprachforscherin und Schriftstellerin Frida Piazza \u201eWorte im Kopf\u201c (dt.\/lad. 2004). Sie ist Mitgr\u00fcnderin und Mitredakteurin der ladinischen Frauenzeit- schrift \u201eGana, la Usc dles ladines\u201c (erscheint seit 2007) und in mehreren Vereinen und Gremien engagiert, etwa in der Cunsulta ladina de Bulsan und im Frauenarchiv der Stadt Bozen. Sie lebt und arbeitet in St. Ulrich\/Gr\u00f6den und Bozen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\" hidden class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/www.zelt-lab.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Brixen_ZeLTlectio_2025.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"PDF-Einbettung\"><\/object><a href=\"https:\/\/www.zelt-lab.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Brixen_ZeLTlectio_2025.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Annetta Ganzoni<\/strong>, dr. phil., *1958 in Celerina \/ Engadin, lebt in Bern und M\u00fcstair. Romanistin, Publizistin, Editorin.&nbsp;Promotion zum poetischen Schreibprozess von Andri Peer. 1997\u20132022 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Schweizerischen Literaturarchiv. Arbeitet zurzeit als freischaffende Literaturvermittlerin und als Stiftungsratspr\u00e4sidentin der Fundaziun de Planta Samedan.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 26. September um 19.30 ist ZeLTlectio. School of Literary Translation in der Cusanus Akademie offiziell er\u00f6ffnet worden. 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