
„Die Nachgeborenen tragen die Biografie derer in sich, die vor ihnen da waren“, sagt Vitória, die Hauptfigur in Yara N. Monteiros Roman Essa dama bate bué! (in der deutschen Übersetzung von Michael Kegler unter dem Titel Schwerkraft der Tränen 2022 im Haymon Verlag erschienen). Für Vitória, die in Angola geboren wurde und bei den Großeltern im Exil in Portugal aufwuchs, ist das einzige Erbe aus der Vergangenheit die Abwesenheit: ihre Mutter hatte sie als Kleinkind zurückgelassen, um als Guerillakämpferin und Revolutionärin am angolanischen Unabhängigkeitskampf teilzunehmen. Als die erwachsene Vitória in Friedenszeiten nach Luanda zurückkehrt, um nach der Mutter zu suchen, erlebt sie ein immer noch zerrüttetes Land, in dem wer Freund und wer Feind ist und war, kaum zu unterscheiden ist. Die Suche nach der Mutter gerät für Vitória, das alter ego der Autorin, zu einer schwierigen und lebensbedrohlichen Identitätssuche.
Die angolanisch-portugiesische Autorin Yara Nakahanda Monteiro bezeichnet sich selbst als Ururenkelin der Sklaverei, Urenkelin der Rassenmischung, Enkelin der Unabhängigkeit und Tochter der Diaspora. Erst spät habe sie zu schreiben begonnen, zuerst musste sie in Brasilien ihr Schwarzsein entdecken und in der Realität Angolas die Geschichten ihrer Großmutter wiederfinden.
In Brixen wird sie zusammen mit ihren Übersetzern ins Italienische Nicola Biasio und ins Deutsche Michael Kegler aus ihren Werken lesen und zu Fragen von Postkolonialismus bis Ökofeminismus diskutieren.
Der Abend ist Teil des Programms des internationalen Lyrikfestival W:ORTE, über dessen erneute Kooperation wir uns sehr freuen! und findet parallel zu unserem Übersetzungslehrgang ZeLTlectio statt.
Moderatorin: Donatella Trevisan
Dolmetscherin: Lorena Pircher
Yara Nakahanda Monteiro wurde 1979 in Angola geboren und lebt derzeit in Kuala Lumpur, Malaysia. Als Autorin, Drehbuchautorin und Kulturarbeiterin beschäftigt sie sich mit Fragen von Erinnerung, Herkunft und weiblicher Selbstermächtigung aus dekolonialer und ökofeministischer Perspektive.
Nicola Biasio ist Lehrbeauftragter für portugiesische und brasilianische Literatur an der Universität Siena. Zu seinen Forschungsinteressen zählen queere Literatur in der späten Kolonialzeit in Mosambik, Queer-Theorien und die damit verbundenen kulturellen Produktionen in Brasilien sowie Ökokritik und kritische Tierstudien in der portugiesischsprachigen Literatur. Er ist Lektor beim Verlag Capovolte und Literaturübersetzer und hat neben Prosa und Lyrik von Yara Nakahanda Monteiro unter anderem Werke von Djamila Ribeiro übersetzt.
Michael Kegler, Literaturübersetzer, Herausgeber und Literaturkritiker, wurde 1967 in Gießen geboren. Nachdem er seine Kindheit zwischen Brasilien und Deutschland verbrachte, Anglistik, Germanistik und Romanistik an der Frankfurter Goethe Universität studierte und im „Centro do Livro“ jobbte, übersetzt er heute Literatur aus dem Portugiesischen, u.a. von Paulina Chiziane, José Eduardo Agualusa, Ondjaki, Germano Almeida, Gonçalo M. Tavares und Yara N. Monteiro. Er beschäftigt sich intensiv mit der Geschichte afrikanischer Länder.
Wir bedanken uns beim Team der Stadtbibliothek Brixen und dem W:ORTE Organisationsteams für die gute Zusammenarbeit. Ein besonderer Dank geht an unseren Sponsor Arthotel Lasserhaus Brixen
